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Jahresbericht 2015

  

Das Kletterjahr 2015 begann kalt. Bereits im Februar fuhr ich mit André und Uli zum Klettern in den Wehlgrund um am Statist und den umliegenden Gipfeln zu klettern. Hier wird mir besonders unsere kleine Bauaktion in der „Variante zum Westweg“ in Erinnerung bleiben. 

Der März traf uns alle wie ein Schlag, als wir uns für immer von meinem Vater verabschieden mussten. Ihm habe ich bergsteigerisch so gut wie alles zu verdanken. So schmerzt es umso mehr, dass er mir nicht nur als Vater fehlen wird, sondern auch als Bergfreund. Stets war er mein erster Ansprechpartner wenn es um das Erzählen von Bergerlebnissen ging. Gemeinsam schmiedeten wir ständig Pläne für zukünftige Klettereien und freuten uns über besondere Bergtouren. Selbst, als es ihm nicht mehr möglich war, an seine Leistungen aus vergangen Tagen anzuknüpfen, war er immer in der Lage sich mit anderen gemeinsam an Geschichten zu erfreuen. Für mich war er nicht nur treuer Seilpartner, sondern auch Ratgeber und Motivator. Umso mehr hoffe ich, dass die Erinnerungen an die vielen gemeinsamen Berg- und Klettertouren eines Tages zu glücklichen Erinnerungen werden. 

Lange überlegte ich, wie ich mit diesem Verlust umgehen sollte und suchte meinen Trost in der Einsamkeit der Berggipfel mit dem Ziel, die Sächsische Schweiz nicht zu einem Ort der Trauer werden zu lassen. Also folgte eine Phase intensiven Kletterns, in der nicht nur der ein oder andere Wunschweg geklettert wurde, sondern auch Gipfel erreicht wurden, über die ich oft mit meinem Vater gesprochen habe. Hierzu zählen die Besteigung von Tante, Bösem Turm, Hickelkopf und Pechofenspitze. Oft fuhr ich gemeinsam mit Sarah bereits am Freitag in die Sächsische Schweiz. Bereits diese Freitage waren von tollen Erlebnissen geprägt. Wir erlebten schöne Stunden an der Großen Hunskirche und am Muselman, erstiegen den schmutzigen Teichwächter oder sackten am Zahnsgrundwächter. Toll waren auch unsere Begehung des Südwegs am Förster und viele weitere Wege, die ich lange schon geplant hatte. In Erinnerung werden mir auch unsere besonderen Kletterfahrten, sowie das 60. Stiftungsfest bleiben, dass unsere Hütte mit viel Leben erfüllt hat.

 Sarah ließ sich in diesem Jahr weiter motivieren, stieg bei mir bis zu ihrer ersten VIIb nach, erfüllte sich einige Gipfelwünsche und brachte sogar viele Bergfreunde dazu, mit ihr gemeinsam durch die halbe Böhmische Schweiz bis zum Zuckerhut zu wandern. Darüber hinaus erlebte ich mit ihr eins der absoluten Jahreshighlights in dem ich mit ihr das Watzmann-Hocheck bestieg und anschließend den Berg umrundete (Bericht folgt). 

Begonnen beim frühen Schicksalsschlag, über eine unglaublich schönen Bergtour mit Sarah in den Berchtesgadener Alpen, bis hin zur einprägsamen Gipfelrast mit André auf dem Teichsteinwächter, war das Jahr geprägt von vielen Eindrücken.

Nach einem aus klettertechnischer Sicht sehr erfolgreichen Jahr, zwangen mich Knie-und Ellenbogenprobleme dazu, die Klettersaison vorzeitig zu beenden.

Doch inspiriert durch meinen Vater werde ich versuchen positiv in die Zukunft zu schauen, Pläne zu schmieden und diese zu verwirklichen.

 

Kevin

 

Jahresbericht 2014 

 

26 Tage am Fels...

 

...so lautet der aktuelle Kletterstatus im Oktober des Jahres 2014. Nachdem ich mir über das zurückliegende  Jahr und die folgenden Zeilen Gedanken gemacht habe, bin ich zuerst  zu mehreren Schlüssen gekommen. Kein besonders erfolgreiches Jahr, kein intensives Jahr, keine Leistungssteigerung, keine tollen Erinnerungen… Je mehr Gedanken ich mir gemacht habe, desto unsinniger erschienen mir diese Schlüsse.  Doch wie immer der Reihe nach.

Das Kletterjahr begann zeitig. Dies ließ nach dem eiskalten Anklettern des letzten Jahres Hoffnung aufkeimen. Bereits im Januar wurde bei einer Wanderung in Rathen am Honigstein der erste kleine Ausflug in den Fels unternommen. Im Februar konnten wir uns an einem kühlen Tag auf dem ersten Gipfel als Seilschaft ins Gipfelbuch eintragen. Ein schöner Geburtstagsausflug führte uns in den Brand. Nach kurzer und kalter Kletterei ließen wir den Tag bei einem schönen Essen mit grandioser Aussicht in der Brandgaststätte ausklingen. Erfreut war ich vom Willen aller beteiligten Personen mit mir gemeinsam an diesem Tag einen Gipfel zu besteigen, obwohl die Temperaturen alles andere als Klettergenuss aufkommen ließen.

Einen interessanten Aspekt des Bergsports stellte dieses Jahr für mich das Wandern dar. Auf Sarahs Anreiz nahm ich im März am sogenannten „Bergtest bei Wehlen“ teil. Eine geführte Sportwanderung des Dresdner Wander- und Bergsteigervereins (Bericht online). Zudem unternahm ich mit Sarah eine interessante Wanderung in Norwegen auf einen etwa 650m hohen Berg (dessen Name mir momentan leider entfallen ist) direkt an unserem Fjord. Diese Bergtour gestaltete sich aufgrund der äußerst schlechten Beschilderung und durch den kaum vorhandenen Weg durch modrig-feuchte Hänge als sehr anstrengend. Nach 5 Stunden erreichten wir erschöpft unseren Ausgangspunkt.

Bereits einen Monat später zeigte sich das Wetter, welches deutlicher als in den Jahren zuvor unser Klettergeschehen bestimmen sollte, allerdings von seiner besten Seite und das Thema Klettern konnte intensiver angegangen werden. Es folgten schöne Frühlingstage, die wir mit unseren Bergfreunden aus unserem Verein, in Familie oder einfach auch nur zu zweit genossen. Von diesen Tagen bleibt auch das schöne Anklettern in Erinnerung.  An einem nebligen Morgen im April trafen wir uns am Gamrig um gemeinsam das neue Kletterjahr einzuläuten. Es wurde jeder einzelne Gamriggipfel  in Beschlag genommen und viele Wege geklettert.  Der Umstand, dass Sarah so früh im Jahr so eifrig mitkletterte, freute mich natürlich besonders. Ähnlich ging es uns an unserem Kletterausflug zur Bahratalwand, an dem wir beinahe die gesamte linke Talseite abkletterten. Sogar an unserem kleinen Jubiläum fuhren wir gemeinsam in die Felsen und kletterten bei brütender Hitze am Rauensteinturm und dem Dreifreundestein.

Nach einem kurzen Telefonat mit Stephan fand ich mich Anfang Juni plötzlich in Rathen wieder. Die Weinertwand, ein lang gehegter Wunschtraum, stand auf dem Plan. Wie schnell man solche Wege plötzlich klettern kann, wenn man die richtigen Vorsteiger hat… Ich wurde an dieser Wand allerdings mächtig gefordert. Zumal Stephan vorher leichtfüßig die Funkenstrecke vorstieg, die mir ebenfalls schon einiges abverlangte.

Schöne Erinnerungen verbinde ich auch wieder mit unserem Stiftungsfest. Nach einem Klettertag an der Verlassenen Wand trafen wir uns alle auf unserer schönen Kirnitzschtalhütte, grillten und weihten unsere neue Sitzanlage ein. Ohnehin zählen die Vereinsfahrten zu den schönsten Klettertagen des Jahres. Vielleicht haben ja andere Bergfreunde zukünftig Lust, solche gemeinschaftlichen Fahrten öfter durchzuführen…?!

Nach diesen Tagen stand uns ein weiterer Jahreshöhepunkt bevor. Sarah und ich wollten gemeinsam mit meinen Eltern in Norwegen klettern. Doch die ersten Tage des Urlaubs waren eine echte Gedulds- und Nervenprobe. Mehrere Tage Regen verdammten uns zur Untätigkeit. Doch der letzte Tag unseres Setesdalaufenthalts (bevor wir zum Angeln und Wandern Richtung Bergen aufbrachen), entschädigte uns für alles. Nachdem wir uns bereits einen Tag zuvor bis kurz vor den Einstieg unseres Zielsektors am Nomelandsfjellet-Nord vorgekämpft hatten, standen wir früh morgens unter einer beeindruckenden, etwa 600m hohen Reibungswand. Allerdings getrauten wir uns an diesem ersten und letzten Tag nicht durch die ganze Wand zu steigen und wählten deshalb kürzere Wege. Also teilten wir uns in zwei Seilschaften und stiegen ein. Unglaubliche Kletterei erwartete uns. Die ersten 3 Seillängen führten uns durch liegendes Gelände in moderater Schwierigkeit. Wir holten mehrfach nach und erfreuten uns an der Kletterei. Nebenbei konnten wir meine Eltern im Weg neben uns beobachten. Die ungefähr 300 Klettermeter stiegen sich wunderbar. Der Sportklettercharakter des Weges, die Höhe und der steigende Anspruch sorgte für eine gesunde Mischung aus Konzentration und Genuss und das trotz teilweise nur mäßig sauberem Fels. Sarah beeindruckte mich als aufmerksame Sicherungsfrau sehr, da sie ohne größere Probleme alle Seillängen mitkletterte. So wurde unser erster Ausflug in den hohen (Kletter-)Norden trotz minimaler Wegausbeute zu einem absoluten Genuss, an den wir wohl noch lange zurückdenken werden.

Wieder in heimischen Gefilden folgten weitere schöne Klettertage mit abwechselnden Seilschaften. Beim Abklettern erfüllte ich mir mit der Winklerturm Westkante und der Ostkante am Rauschenstein zwei lang gehegte Wunschwege. Danke an Andre` für das aufmerksame Sichern und Nachsteigen bei diesen Wegen. Hier schließt sich der Kreis. Nicht immer muss es eine nominelle Leistungssteigerung sein. Nach diesem Jahr fühle ich mich mental gefestigter als noch vor einiger Zeit und genau das ist ein Umstand, der einem bei dem ein- oder anderen Weg im Sächsischen Fels zu Gute definitiv zu Gute kommen kann. Dadurch kann ich mich auch dieses Jahr wieder über tolle Wege im Vor- und Nachstieg zwischen Genuss und Graus, leichtem Steigen und Klettern am persönlichen Limit, sowie perfekter Sicherung und großer Konzentration freuen.

Mittlerweile ist ein frischerer Wind über das Land gezogen und das Klettern nicht mehr ganz so gemütlich. Mit den Arbeitseinsätzen und der Mitgliederversammlung steht allerdings noch ein weiterer offizieller Termin bevor. Außerdem steht im nächsten Jahr unser großes 60-jähriges Vereinsjubiläum an. Bis dahin wünsche ich allen Bergfreunde aus dem Verein und allen, die diese Zeilen hier lesen, noch schöne Bergerlebnisse in diesem und im nächsten Jahr.

 

Kevin

 

Bergtest bei Wehlen 2014

 

von Kevin

 

Am 23.03.14 fand in Wehlen der 34. Bergtest statt. Hierbei handelt es sich um eine vom DWBV organisierte, öffentliche Sportwanderung die über unterschiedliche Entfernungen durchgeführt wird und bei der 6 verschiedene Strecken angeboten werden. Etwa zwei Wochen vor Start bin ich durch Sarah überhaupt erst auf die Idee gekommen, dort teilzunehmen. So begann für mich die kurze Vorbereitungszeit auf einen Tag, an dem ich mir nicht nur einmal die Frage gestellt hab, warum ich nicht doch lieber einfach klettern gegangen bin.

 

Kurz nach Sarahs Hinweis stand für mich bereits fest, dass ich teilnehmen werde. Schnell stand außerdem fest, dass ich mir höchstwahrscheinlich die volle Distanz vornehmen werde. Das bedeutet, dass vor mir die recht anstrengende Entfernung von 37 km lag, bei der 1400 Hm im Auf- und Abstieg bewältigt werden wollten. Schnell hatte ich für dieses Unterfangen willige Begleiter im Kopf, die jedoch allesamt absagen mussten. Aber die Neugier hatte mich gepackt und so fasste ich den Entschluss, die Strecke alleine anzugehen. Also zeitig aufgestanden, jede Menge überflüssiges Zeug in den Rucksack gestopft, vom schlaftrunkenen Mädel verabschiedet und schon ging es kurz nach 6 Uhr mit der S-Bahn ab in die Sächsische Schweiz.

 

 

In Wehlen angekommen, staunte ich das erste Mal nicht schlecht, als ein großer Pulk vorwiegend älterer Leute in das Bahnhofshäuschen tobte. Auf diese Weise stellte ich fest, wo die Anmeldung zu finden war. Die Anmeldung ging dann unerwartet unkompliziert vonstatten und schon war ich mit Startnummer 137 und Stempelkarte ausgerüstet und machte mich kurz nach 7 Uhr auf dem Weg.

 

 

Die erste Etappe führte mich aus Wehlen hinaus, durch den mir bis dato unbekannten Damengrund Richtung Naundorf. Von hier aus geht es schon das erste Mal ziemlich bergauf und da ich mich schrittmäßig fehlerhafterweise an anderen Leuten orientierte, wurde mir ziemlich schnell klar, dass das Ganze doch kein so leichter Spaziergang werden würde. Aber was solls. Der Tag hatte ja noch nicht mal richtig angefangen. Ich würde mich schon irgendwie einlaufen.

Hier kam mir auch das erste Mal der Gedanke, wie absurd eine Sperrung vieler altgedienter Pfade im Großen Zschand und anderen Teilgebieten, sowie ein Fahrradverbot ab dem Zeughaus im Kontrast zu den dutzenden Wanderern erscheint, die zu früher Stunde einen einsamen Grund in den Bärensteinen hinauf tobten. Aber dies soll hier nur als Randbemerkung erscheinen.

Sehr schön ging der Weg über vernebelte morgendliche Felder weiter zum Fuße des kleinen Bärensteins. Hier kam ich nicht daran vorbei, verstohlen die Bärensteinscheibe im Wald links oben zu suchen, dem ersten nahen Gipfel für heut. Später sollte ich keine Augen mehr für die vielen schönen Felsen haben. 

 

 

Nach dem Kleinen Bärenstein zog der Weg über weiterhin nebelverhangene Felder und Wälder über Thürmsdorf zur B172, unterhalb der Festung Königstein. Hier klarte der Himmel auf und es wurde deutlich, dass es definitiv ein schöner Tag werden würde. Nachdem die Festung südlich passiert wurde, näherte ich mich dem ersten Kontrollpunkt an der Latzhütte. Hier hielten sich bereits jede Menge Wanderer auf. Also holte ich mir schnell einen Stempel, trank eine Tasse Tee und setzte meine Abstieg, da ich mich noch kräftig genug fühlte, hinab nach Königstein fort.

 

Unten angekommen wurde die Biela überquert und es folgt einer der beiden härtesten Aufstiege für diesen Tag. Zuerst führte der Weg in weitläufigen Serpentinen hinauf zum Quirl. Unterhalb von diesem zog der Weg in weitem Bogen hinüber zum Pfaffenstein. 

 

 

Hier bot sich mir ein Blick auf die Felsen, wie ich ihn an Klettertagen bisher noch nicht erlebt hab. Nachdem ich den Morgen kurz genossen hatte, ging es aber schon weiter über den bequemen Aufstieg auf den Pfaffenstein, auf dem der zweite Kontrollpunkt zu finden war. Zu diesem Zeitpunkt waren 11 km zurückgelegt.

 

Da ich mich immer noch sehr frisch fühlte, sammelte ich schnell den Stempel ein und machte mich auf den Weg hinab durch das Nadelöhr in Richtung Pfaffendorf. Von dort aus führt der Weg weiter zur „Schönen Aussicht“ über Königstein, die ihren Namen nur teilweise verdient hat. Auch hier wurde wieder gestempelt und es ging recht eilig hinab zur Fähre nach Königstein. Auf diesem Abschnitt hatte sich das Feld schon deutlich ausgedünnt. Nur noch wenige Wanderer waren zu sehen.

Auf der Fähre wühlte ich in meinem Rucksack und fand eine Banane. Sie sollte mir die Kraft geben, noch den Anstieg nach Ebenheit und von dort auf den Lilienstein zu schaffen, auf dem ich mir eine erste richtige Pause gönnen wollte.

Doch dieser Anstieg hatte es noch einmal in sich. Durch einen kurzen Verhauer kam ich über einen Umweg in Ebenheit an und der Weg über das Feld zog sich furchtbar in die Länge. Ich merkte, wie meine Waden ziemlich schnell übersäuerten und ich sehnte mich nach einer Möglichkeit mich zu dehnen. Die Beine wurden immer schwerer und beinahe hätte ich den ersten Baum den ich erreichte, umarmt, bevor ich mich kräftig an ihm dehnte. Das Dehnen wirkte Wunder und so ging der Aufstieg zum Lilienstein über den Normalweg recht gut.

Oben angekommen gönnte ich mir dann die langersehnte Pause. Ich hatte mit 17 km noch nicht einmal die Hälfte des Weges zurückgelegt und war schon über 4 Stunden pausenlos auf den Beinen.

 

 

 

Ein stattliches Hefeweizen und eine kleinere Mahlzeit gaben mir neue Kraft. Nach einer knappen halben Stunde stieg ich über den Nordwandsteig ab und wanderte weiter über Kirchweg, Gedenkstein und Napoleonstraße, den offiziellen Verpflegungspunkt ignorierend, über Lottersteig und Kottesteig direkt an der Elbe entlang weiter in Richtung Rathen. Dieser ebenerdige Weg war eine Wohltat für meine Beine. In Rathen 21 km) galt es eine Entscheidung zu treffen. Entweder die Runde auf 25 oder 29 km abkürzen, oder die volle Distanz gehen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass ich mir diese Quälerei wohl so schnell nicht nochmal an tun werde und da ich nun sowieso schon so weit gekommen war, auch auf die volle Distanz gehen konnte. Also bog ich in Rathen ab in Richtung Füllhölzelweg. Auf der Feldwand erspähte ich die ersten und letzten sichtbar kletternden Personen an diesem Tag. Angesichts des hervorragenden Wetters Ende März, verblüffte mich dieser Umstand sehr. Außerdem war es das letzte Mal für diesen Tag, dass sich mein Blick den Felsen zuwendete. Auf dem Weg hinauf zum Ziegenrücken überkam meine Beine wieder eine bleierne Schwere. Gleichzeitig hatte ich das merkwürdige Gefühl, dass ich einfach nicht stehen bleiben konnte, da ich nach einer Pause wohl nicht mehr weitergehen könnte. 

 

Meine Gedanken kreisten beim Abstieg ins Polenztal (26 km) hauptsächlich um die noch vor mir liegende Wegstrecke. Nur kurz ging der Blick hinüber zu den mittlerweile in voller Blüte stehenden Märzenbechern, auf denen sehr schön die Nachmittagssonne stand. Ich konnte jedoch nur daran denken, dass ich mit Aufstieg Wolfschlucht und den Schwedenlöchern noch zwei kräftige Etappen zu bewältigen habe. Zu meiner großen Überraschung gestaltete sich der Weg zur Hocksteinaussicht aber relativ angenehm. Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Oben angelangt, gönnte ich mir noch eine kurze Bananenpause, denn noch lagen 10 km vor mir. Über Hocksteinweg und Knotenweg ging es unterhalb der Lokomotive über Pionierweg und Amselgrund hinüber zu den Schwedenlöchern, dem abschließenden Aufstieg des heutigen Tages.

 

 

Die Schwedenlöcher sind wohl beinahe jedem Liebhaber des Sächsischen Fels ein Begriff. Demzufolge ist meine verhaltene Freude über diesen „Abschluss“ zu verstehen. Meine Beine schmerzten bei jedem kleinen Halt dermaßen, dass ich sofort weiterging um einfach nur ans Ziel zu kommen. Deshalb hielt ich nach der langen Stufenreihe auch nur kurz an, um mir den reparierten Teil des Weges anzuschauen. Schade, dass bereits ein erneuter Felssturz in den letzten Tagen (Stand Ende Mai 2014) eine neue Sperrung und Reparatur dieses beeindruckenden Weges nötig gemacht hat. 

 

Oben angekommen, machte sich Enttäuschung bei den umstehenden Wanderern breit. Der oben ausgewiesene Stempel war nirgends zu finden. Das nervte mich schwer, da ich nach der Schinderei zumindest gern eine vollständige Stempelkarte vorweisen wollte. Der fehlende Stempel fand sich dann merkwürdigerweise am Kiosk in der Nähe des Basteiparkplatzes. An besagtem Kiosk pausierte ich ein letztes Mal um die Schlussetappe in Angriff zu nehmen. Vom Basteiparkplatz musste ich noch am Steinernen Tisch vorbei, hinab nach Wehlen. Die Lust noch vor zur Bastei zu gehen, war mir längst vergangen. Immer noch hatte ich laut Karte 5 km vor mir. Der Abstieg nach Wehlen ist verhältnismäßig schnell erzählt. Unter anderen Bedingungen hätte ich den Weg sehr genossen, da er interessant zu gehen und landschaftlich schön anzuschauen ist. In Wehlen angekommen, schimpfte ich ein zweites Mal. Die Organisatoren haben scheinbar ein Arrangement mit der Pension „Am Nationalpark“ und so lag der Zielpunkt nicht am Bahnhof Wehlen, sondern in besagter Pension. Ungünstiger Weise liegt diese nochmals etwa einen Kilometer elbaufwärts, so dass allein der Weg zur Pension und zurück zur Fähre allein knapp 2 km des gesamten Weges ausmachen. Nach kurzem Anstehen wurde mir eine Urkunde in die Hand gedrückt und ich machte mich auf den Weg zurück zur Fähre und mit der Bahn zurück nach Dresden. So lagen kurz vor 16 Uhr die 37 km und 1400 Hm im Auf- und Abstieg hinter mir. Inklusive Pausen habe ich also nicht ganz 9 Stunden gebraucht.

 

Abschließend muss ich sagen, dass ich den „Bergtest“ mit gemischten Gefühlen beendet hab. Während ich mich sehr über den landschaftlich äußerst reizvollen Weg freute, schreckte mich der Massencharakter der Veranstaltung sehr früh ab, da ich mit erheblich weniger Teilnehmern gerechnet hatte. Aber um nicht der Doppelmoral anheim zu fallen, muss erwähnt werden, dass ich ja letztendlich für diesen Tag selbst ein Teil dieser „Großveranstaltung“ war.

 

Zum Schluss muss ich eingestehen, dass ich die ganze Angelegenheit wohl auch etwas unterschätzt habe. Dieser Umstand hat mir ab Kilometer 21 auch etwas die Freude an der Sache genommen. Allerdings war der „Bergtest 2014“ auch eine besondere Erfahrung, die mir beim Ausloten der eigenen körperlichen Möglichkeiten geholfen hat. Abschließend ist zu sagen, dass mir neben einer angemessenen Vorbereitung auch nicht zuletzt eine Begleitperson gefehlt hat, mit der man sich zwischendurch unterhalten und über das weitere Vorgehen verständigen kann.

Trotzdem war es letztendlich ein anspruchsvoller und interessanter Tag.

 

 

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende

 

…jedoch noch nicht das Kalenderjahr, sondern das Kletterjahr. Nachdem das Wetter dieses Jahr zuerst nicht richtig in Schwung kommen wollte, ist es nun umso schöner, dass man trotzdem wieder auf eine sehr gelungene Saison zurückschauen kann. Diese positiven Empfindungen beruhen allerdings nicht nur auf dem ein oder anderen sportlichen Erfolg, sondern auch auf persönlichen Erkenntnissen, schönen Gemeinschaftserlebnissen und vielen anderen Gegebenheiten.

Doch immer der Reihe nach.

Das Kletterjahr begann sehr „erfrischend“. Bei widrigen Bedingungen ging es, gemeinsam mit den Sedlitzern, bereits Anfang April zum Anklettern nach Rathen. Die Felsen rund um den Honigstein waren das Ziel. Hochmotiviert durch regelmäßiges Wintertraining und persönliche Erfolge des Vorjahres, landete ich bereits am ersten Klettertag des Jahres auf dem Boden der Tatsachen, als ich am Nordostriss am Lamm schwer sackte und Uli mir zurückbauen musste. Zwar ohne Gipfelerfolg, ging ich jedoch anschließend mit der Erkenntnis nach Hause, dass man auch als Kletterer wohl niemals so richtig ausgelernt hat.

Eine ähnliche Erfahrung machte ich bereits einen Monat später am Alten Weg am Schwarzbeerturm, der mir für den angegebenen Grad überraschend schwer fiel.

Allerdings gab es in diesem Jahr auch viele Bergfahrten, die mir besonders positiv in Erinnerung geblieben sind. So ist mir zum Beispiel dieses Jahr zum Stiftungsfest meine erste „kleine“ VIIIa im Vorstieg gelungen. Ein Wunschtraum, den ich schon seit vielen Jahren hegte. An dieser Stelle möchte ich nochmals Uli für den Tipp danken, ohne den ich wohl nie in den Weg an der Narrenkappe eingestiegen wäre.

Ebenso Erwähnung finden, soll hier auch ein Kletterausflug mit meinem Vater Steffen an den Papst, an einem sonnigen Nachmittag im Juni. Nach einem Arztbesuch in Dresden gelangen uns an diesem Tag immerhin noch 5 Wege unterschiedlicher Schwierigkeit.

Ab Juli verlagerten sich meine Kletterziele studienbedingt an die gruseligen, aber gut gesicherten Schotterhaufen im Thüringer Wald. Hier beging ich mit meinem Erfurter Bergfreund Ludwig viele Sportkletterwege an unterschiedlichen Gipfeln. Großen Eindruck hinterließ auf mich unsere Kletterfahrt zum Thüringer Falkenstein. Die 2431. Begehung des Falkensteiner Risses (5) in geteilter Führung, sowie unsere seilfreie Begehung des Oehlerlochs (3+), welches sich weder als besonders schön oder spaßig, sondern als brüchig, dunkel und ziemlich ernst herausstellte, waren an diesem Tag sehr prägend. Dieser Tag lehrte mich, dass auch ich, der meist mit großer Vorsicht an den Fels geht, nicht immer vor jugendlichem Leichtsinn gefeit ist. Trotzdem bin ich auch Ludwig sehr dankbar, dass er mich zu diesen Erlebnissen und diesem beeindruckenden Gipfel mitgenommen hat.

Dieses Jahr zeichnete sich bisher auch sehr durch die Erkundung mir bisher vollkommen unbekannter Teilgebiete der Sächsischen Schweiz aus. Hierzu gehören u.a. die Kletterfahrten mit der Familie zu den Poblätzschwänden und den Einzelgipfeln östlich des Kuhstalls.

Dass vor allem die Kletterfahrten mit meiner Freundin Sarah zu meinen persönlichen Highlights zählen, muss ich eigentlich nicht extra erwähnen. Die Krönung fanden diese Kletterfahrten mit ihrem Beitritt in unseren Verein, von dessen Mitgliedern sie bis dahin längst schon mit offenen Armen empfangen wurde. So erstreckt sich die Hilfsbereitschaft der Mitglieder vom Klettern beginnend, bis hin zum Angebot eines besonders schönen Nachtlagers. Auch habe ich mich über ihren Willen gefreut, sich klettermäßig immer wieder zu überwinden um Neuland betreten zu können. Auf diese Weise ist sie mit mir dieses Jahr manchen Weg geklettert, an dem sie sichtlich mit sich gekämpft hat. Hier erinnere ich mich vor Allem an Poblätzschturm-Nordostkante, Glocke-Kleine Reibung und Schrammsteinkegel-Hintere Reibung.

Zu meinen schönsten Erinnerungen dieses Jahr gehörten auch die offiziellen Vereinsfahrten wie das An- und Abklettern, sowie die Kletterfahrten rund um das Stiftungsfest. Die Tage des Stiftungsfestes mit dem abendlichen Grillen werden mir wohl immer sehr tief in Erinnerung bleiben. Es sind gleichermaßen die Momente des Gipfelgrußes, wie auch das gesellige Beisammensitzen am Feuer, das Erzählen alter und neuer Geschichten vom Berg oder einfach nur das „Dabei sein“ an diesen wertvollen Tagen, was dafür sorgt unbekümmert zu sein und lachen zu können, obwohl man sich innerlich vielleicht gar nicht immer so fühlt.

Letztendlich muss ich feststellen, dass mein Jahr bisher aus 24 Tagen bestand, an denen ich „draußen“ klettern war. Jeder dieser Tage zeichnete sich durch ganz unterschiedliche Begebenheiten, Erinnerungen und Erlebnisse mit bestimmten Leuten aus und ich könnte über jeden dieser Tage eine ganz individuelle Geschichte erzählen.

Jedoch möchte ich an dieser Stelle schließen und mich bei allen bedanken, die mir ein so schönes Kletterjahr bereitet haben. Auf ein genauso schönes „Berg Heil 2014“

 

Kevin

 

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